Zahnmedizinische Grundausbildung

ADOPTED by FDI General Assembly September, 2003 in Sydney, Australia
REVISED by FDI General Assembly September, 2026 in Prague, Czech Republic

 

Kontext

Die Überarbeitung dieser Stellungnahme über die zahnmedizinische Grundausbildung wird vorgeschlagen, um den sich weiterentwickelnden Anforderungen an die Ausbildungsgänge zum Erhalt der Mundgesundheit im 21. Jahrhundert zu entsprechen. Die offensichtliche globale Tendenz, das Thema Mundgesundheit als Teil der globalen Mundgesundheitsagenda aufzuwerten, Fortschritte in der Wissenschaft und in der Technologie wie zum Beispiel die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI), sich ändernde gesellschaftliche Erwartungen, die Integration einer auf Evidenz basierenden Behandlung und der zunehmende Schwerpunkt auf einer fachübergreifenden Zusammenarbeit und einer kooperativen Versorgung erfordern eine zeitgemäße Vorgehensweise mit dem Ziel der Ausbildung eines kompetenteren zahnärztlichen Personals mit der Fähigkeit, den Erwartungen der Patienten durch eine präventionsorientierte, integrierte und evidenzbasierte Behandlung zu entsprechen.

Geltungsbereich

Diese Stellungnahme  beschreibt die Grundlagen und Ziele der zahnmedizinischen Grundausbildung; zu nennen sind hier die grundlegende Ausbildung zum Erhalt der Mundgesundheit als Voraussetzung für eine sichere, ethische und kompetenten zahnmedizinische Praxis, für eine sozial verantwortungsvolle und nachhaltige zahnmedizinische Praxis und für die klinische Arbeit und die Forschung. 

Die Stellungnahme bezieht sich auf:  

  • den umfassenden Ausbildungsrahmen, der Studierende auf die selbstständige zahnärztliche Tätigkeit vorbereitet 

  • die Kompetenzen und ethischen Standards, die von Absolventen der Zahnmedizin erwartet werden 

  • die Verantwortung von Bildungseinrichtungen und Aufsichtsbehörden für die Gewährleistung von Qualität und Konsistenz. 

In diesem Zusammenhang unterstreicht die Stellungnahme, wie wichtig es ist, sowohl Bereiche einzubeziehen, die frisch examinierte Zahnärzte bei ihrem Einstieg in die klinische Praxis beherrschen sollten, als auch die grundlegenden Kompetenzen, die alle Kliniker im Rahmen der beruflichen Fortbildung kontinuierlich unter Beweis stellen und weiterentwickeln sollten.

Definitionen

Die zahnmedizinische Grundausbildung bezieht sich auf die Wissensvermittlung in einem ersten oder weiterführenden Studienabschluss, der zukünftigen Zahnmedizinern das Wissen, die Fähigkeiten, die Einstellungen, die Kompetenzen und die Werte vermittelt, die für eine sichere, ethische und personenzentrierte Behandlung und eine berufliche Fortentwicklung während der gesamten Laufbahn  erforderlich sind.

Grundsätze

Die zahnmedizinische Grundausbildung muss auf der Basis einer ethischen, evidenzbasierten und patientenzentrierten Praxis in Übereinstimmung mit nationalen Vorschriften und Regeln erfolgen. 

Diese Grundausbildung muss inklusiv und gleichberechtigt sein und an gesellschaftliche Anforderungen und Prioritäten von Gesundheitssystemen angepasst werden können. 

Stellungnahme

Die FDI ermutigt die nationalen Zahnärzteverbände (NDAs), Bildungsinstitute und Regulierungsstellen dazu, kompetenzbasierte Curricula, die internationalen Standards entsprechen, anzunehmen und regelmäßig zu überprüfen. Damit wird sichergestellt, dass neue Universitätsabsolventen: 

  • eine sichere, evidenzbasierte Zahnmedizin praktizieren und in diesem Sinn technische Expertise, klinische Entscheidungsprozesse, Kommunikation und Berufsethik miteinander verbinden   

  • die Bedeutung zahnmedizinischer Forschung, wissenschaftlicher Grundbildung und der Fähigkeiten zur kritischen Bewertung wissenschaftlicher Studien einschließlich der Prinzipien der Forschungsethik verstehen und eine forschungsorientierte Denkweise entwickeln 

  • den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit, Allgemeingesundheit und Lebensqualität verstehen 

  • die Forderung nach präventiven Strategien und Initiativen zur Förderung der Mundgesundheit auf individueller und gemeinschaftlicher Ebene verstehen  

  • sich der spezifischen lokalen Anforderungen an die Public Health bewusst sind und eine Vorstellung davon haben, wie sie diese Anforderungen in ihrer klinischen Praxis umsetzen können 

  • eine ethische, kulturell sichere und evidenzbasierte zahnmedizinische Behandlung durchführen können   

  • auf verantwortungsbewusste Weise wissenschaftliche und klinische Innovationen, digitale Technologien und künstliche Intelligenz in ihre Praxis integrieren können, dabei aber gleichzeitig ihr klinisches Urteilsvermögen und den Austausch mit dem Patienten beibehalten   

  • klinische Einsatzfähigkeit durch eine sorgfältig definierte Balance zwischen theoretischem Wissenserwerb und praktischer/klinischer Ausbildung entwickeln können 

  • Kenntnisse in digitaler Technologie und Verwendung von KI demonstrieren können einschließlich einer verantwortungsbewussten Integration wissenschaftlicher und klinischer Innovationen, Datenschutz, Cybersicherheit und kritischer Beurteilung neuer Technologien  

  • Fähigkeiten zum kritischen Denken, zu Problemlösungen und zur berufsbegleitenden Aneignung von Kompetenzen entwickeln, um evidenzbasierte und patientenzentrierte Entscheidungen treffen zu können 

Die FDI befürwortet eine verstärkte Abstimmung wichtiger Bestandteile von Curricula zwischen den Ländern, um wie folgt konsistente Ausbildungsergebnisse und Kompetenzlevel bei den Universitätsabsolventen zu erreichen. Hierzu sind die Gesetze in jedem der beteiligten Länder zu beachten. 

  • Zahnmedizinische Fakultäten und Institute sollten die fachübergreifende Zusammenarbeit fördern und Verhaltens- und Kommunikationswissenschaften in den gesamten Lehrplan integrieren 

  • Maßnahmen zur Lehrkräftefortbildung, Qualitätssicherung und Leistungsbewertung sollten die kontinuierliche Verbesserung fördern und die fachliche Kompetenz, die Professionalität, die ethischen Grundsätze sowie die Kommunikationsfähigkeiten bewerten 

  • Die Bewertungsmethoden sollten sich an kompetenzbasierten Grundsätzen orientieren und nicht nur Wissen und fachliche Fähigkeiten, sondern auch die klinische Entscheidungsfindung, die Kommunikation und das berufliche Verhalten bewerten 

  • Bildungseinrichtungen sollten transparente Mindeststandards für die simulationsgestützte, praktische und klinische Ausbildung festlegen, die international anerkannten Richtlinien entsprechen  

  • Die Angleichung an nationale Rechtsvorschriften und Akkreditierungsrahmen ist für einheitliche Ausbildungsergebnisse unerlässlich 

  • Bildungseinrichtungen sollten innovative Lehrmethoden, simulationsgestützte Ausbildung und digitale Lerntechnologien einbeziehen, unterstützt durch eine formative und summative Evaluierung, die kontinuierliches Feedback und die Kompetenzentwicklung fördern 

  • Zahnmedizinische Fakultäten und Institute sollten die Entwicklung akademischer Kernkompetenzen bei den Studierenden fördern, dazu gehören kritische Analysefähigkeiten, Forschung und der effektive Austausch von Ideen und Argumenten entsprechend den Standards, die von einem akademisch gebildeten Mitglied der zahnmedizinischen Profession erwartet wird.  

  • Lehrpläne müssen so gestaltet werden, dass Absolventen der Zahnmedizin über die erforderlichen Kenntnisse und Kompetenzen verfügen, allen Mitgliedern der Gesellschaft eine primäre zahnmedizinische Versorgung zukommen zu lassen einschließlich vulnerabler Bevölkerungsgruppen und Menschen mit Behinderungen. 

  • Zahnmedizinische Fakultäten und Institute sollten sicherstellen, dass die Hochschullehrenden in der Zahnmedizin so ausgebildet werden, dass sie den sich wandelnden Bedürfnissen der Zahnmedizinstudenten gerecht werden. 

  • Zahnmedizinische Fakultäten und Institute sollten ebenfalls Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion fördern und dabei gleichzeitig für ein psychologisch sicheres Lernumfeld sorgen, das das Wohlergehen und das Wohlbefinden der Studierenden und der Fakultät unterstützt.

Schlüsselwörter

Zahnmedizinische Grundausbildung, Kompetenzen, Ethik, berufsbegleitende Fortbildung, international anerkannte Leitlinien. 

Disclaimer

Die Informationen in dieser Stellungnahme basieren jeweils auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Sie können so ausgelegt werden, dass sie existierende kulturelle Sensibilitäten und sozio-ökonomische Zwänge widerspiegeln. 

Literaturhinweise

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