Lebenslange Mundgesundheit

ADOPTED by FDI General Assembly August, 2017 in Madrid, Spain
REVISED by FDI General Assembly September, 2026 in Prague, Czech Republic

Kontext

Eine lebenslange Mundgesundheit, die die funktionale und psychosoziale Gesundheit und die strukturelle Integrität des Mundes und der Zähne beinhaltet, ist eine Grundvoraussetzung für den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität, der Gesundheit und des Wohlbefindens insgesamt sowie für die umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben während der gesamten Lebensspanne eines Menschen.2 Globalisierung, Urbanisierung, der Wandel sozialer Normen und technologische Fortschritte wirken sich auf das Gesundheitsverhalten aus und beeinflussen die Prävalenz und das Management oraler und allgemeiner sonstiger Erkrankungen.3 Die Maßnahmen zur Förderung der öffentlichen Gesundheit sollten diese neuen Herausforderungen berücksichtigen und der Maßstab für eine Politik sein, die eine lebenslange Mundgesundheit fördert, dabei den Menschen, die Familie und ihre Gemeinwesen in den Mittelpunkt stellt und sie als integralen Bestandteil der Allgemeingesundheit ansieht.

Geltungsbereich

Die Mundgesundheit sollte fester Bestandteil einer umfassenden Strategie für ein gesundes Leben und somit eine wichtige Determinante für die Lebensqualität sein. Die Umsetzung dieses Ziels erfordert anpassungsfähige Gesundheitssysteme, integrierte Strukturen der langfristigen Versorgung und koordinierte Maßnahmen der Stakeholder auch in anderen Sektoren und auf verschiedenen Regierungsebenen, um eine zugängliche, bezahlbare, gerechte, inklusive, kultursensible und nachhaltige Gesundheitsversorgung für alle zu gewährleisten4,5. Diese Umsetzung sollte ebenfalls Initiativen in den Vordergrund stellen, um Ungleichheiten in der zahnmedizinischen Versorgung zum Nachteil unterversorgter und vulnerabler Bevölkerungsgruppen zu verringern. 

Definition

Eine lebenslange Mundgesundheit zielt darauf ab, eine gute Mundgesundheit und eine optimale Lebensqualität durch die Förderung der Gesundheit, Risikoeinschätzung, Krankheitsverhütung, Frühdiagnose und Intervention in allen Lebensabschnitten zu erhalten. Das Ziel, ein möglichst hohes Lebensalter mit funktionellen Zähnen zu erreichen, ist realisierbar, wenn Präventivmaßnahmen und Gesundheitsversorgung das ganze Leben lang zur Verfügung stehen und dieses Ziel durch nachhaltige und adäquat finanzierte Gesundheitssysteme unterstützt wird, die einen rechtzeitigen Zugang zu einer evidenzbasierten zahnmedizinischen Versorgung ermöglichen. 

Grundsätze

Die vorliegende Stellungnahme fordert die  Integration der zahnmedizinischen Versorgung in die allgemeinen Systeme der Gesundheitsversorgung sowie die Förderung eines nachhaltigen und allgemeinen Systems der Gesundheitsabsicherung in allen Lebensphasen. Diese Vorgehensweise setzt den Schwerpunkt auf die Prävention von Krankheiten und einen besseren Zugang zu einer gerechten medizinischen Versorgung als Beitrag für ein höheres Wohlbefinden aller Menschen.  

Stellungnahme

Die FDI befürwortet Weiterbildung, Wissensförderung und Aufklärung zum Thema Mundgesundheit und dessen Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit und das Wohlbefinden während des gesamten Lebens.4-6. Die FDI unterstützt ebenfalls auf der Ebene der Politik, der Gesetzgebung und der Entscheidungsfindung Prozesse, die die Förderung der Mundgesundheit und die zahnmedizinische Versorgung unterstützen.7 Das Risiko der Entwicklung von Karies, parodontalen Erkrankungen oder Mundkrebs im Erwachsenenalter wird nicht nur durch vorhandene Risikofaktoren bestimmt, sondern ebenfalls durch  Belastungen während der Schwangerschaft, in der Kindheit oder im Jugendalter.8,9 

Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, nationale Zahnärzteverbände, Gemeinschaften und einzelne Personen sollten deshalb für ein förderliches, durch adäquate Mittel und eine nachhaltige Finanzierung10 unterstütztes Umfeld sorgen, um die Mundgesundheit und das Wohlbefinden während des gesamten Lebens zu verbessern. Dazu gehören: 

  • Öffentliche Politik: Die Mundgesundheit muss ein fester Bestandteil aller Maßnahmen der öffentlichen Politik sein – dazu gehören eine gesunde Ernährung, Wohnungen, Bildung, Anleitungen zur Mundhygiene, Förderung der Gesundheitskompetenz, Wasserversorgung, Tabakkontrolle, geringerer Zuckerkonsum, soziale Absicherung, eine Politik für gesundes Altern und mentale Gesundheit. 

  • Krankheitsprävention: Verbesserung der Prävention nichtübertragbarer Krankheiten durch Integration von Maßnahmen zur Förderung der Mundgesundheit in Initiativen für die Allgemeingesundheit unter Verweis auf gemeinsame Risikofaktoren wie Tabakkonsum, ungesunde Ernährungsgewohnheiten und schädlicher Alkoholkonsum. 

  • Gemeindeeinrichtungen: Förderung der lebenslangen Prävention in wichtigen Gemeindeeinrichtungen wie öffentliche Gesundheitszentren, Schulen, Arbeitsplätze und Einrichtungen der Langzeitpflege. Das gilt besonders für Einrichtungen, die vulnerable Bevölkerungsgruppen betreuen. 

  • Zugänglichkeit: Forderung an Regierungen, nationale und regionale Versicherungsunternehmen und nicht-staatliche Geldgeber, Initiativen für die Durchsetzung einer allgemeinen Gesundheitsabsicherung durch einen regulären und bezahlbaren Zugang zu einer Gesundheitsversorgung für Menschen jeden Alters zu unterstützen. 

  • Besondere medizinische Versorgung: Unterstützung von Menschen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen, ihre Oralfunktion zu erhalten oder zu verbessern, indem medizinische Fachkräfte und familiäre Betreuungspersonen, die für die tägliche Mundhygiene zuständig sind, entsprechend ausgebildet werden, und  die Förderung einer frühzeitigen Erkennung und einer geeigneten Versorgung von Beeinträchtigungen der Mundfunktion durch zahnmedizinische Fachkräfte. 

  • Primäre zahnmedizinische Versorgung: Sicherstellen, dass eine  grundlegende zahnmedizinische Versorgung durch innovative Maßnahmen einschließlich Telezahnmedizin ein fester Bestandteil der Systeme der primären Gesundheitsversorgung wird, wobei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und an Prävention ausgerichtete Strategien an den jeweiligen Landeskontext angepasst werden. 

  • Führungskompetenz des Zahnarztes und seines Teams: Anerkennung und Stärkung der Führungskompetenz von Zahnärzten und ihren Teams bei ihrem Engagement für die Verbesserung der Mundgesundheit, bei der präventiven und therapeutischen Versorgung und als Mitwirkende bei der Planung und politischen Entwicklung unserer Gesundheitssysteme. Förderung einer  berufsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen der Zahnmedizin und anderen Gesundheitsberufen. Dazu gehört die Förderung einer nachhaltigen Fachkräfteversorgung im Bereich der Mundgesundheit durch Ausbildung, Fortbildung, berufliche Weiterentwicklung und Personalplanung, um den sich wandelnden Bedürfnissen der Bevölkerung über die gesamte Lebensspanne eines Menschen hinweg gerecht zu werden. 

Schlüsselwörter

Lebenslange Mundgesundheit, Lebensqualität, Gesundheitsförderung, primäre Gesundheitsversorgung. 

Disclaimer

Die Informationen in dieser Stellungnahme basieren jeweils auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Sie können so ausgelegt werden, dass sie existierende kulturelle Sensibilitäten,  sozioökonomische Gegebenheiten und neu entstehende internationale Public-Health-Strategien berücksichtigen. 

Literaturnachweise

  1. World Health Organization. (2025). Oral Health. Available from: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/oral-health [Accessed 7 January 2026]. 

  2. World Health Organization. (2021). WHO Discussion Paper: Draft Global Strategy on Oral Health. Available from: https://cdn.who.int/media/docs/default-source/searo/india/health-topic-… [Accessed 7 January 2026]. 

  3. World Health Organization. (2022). Global oral health status report: towards universal health coverage for oral health by 2030. Available from: https://www.who.int/publications/i/item/9789240061484 [Accessed 7 January 2026]. 

  4. FDI Weltverband der Zahnärzte. (2021). Vision 2030: Delivering optimal oral health for all. Available from: https://www.fdiworlddental.org/vision2030 [Accessed 7 January 2026]. 

  5. World Health Organization. (2023). Global oral health action plan 2023–2030. Available from: https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/022cde3b-a0d8-440e-8b5e… [Accessed 7 January 2026]. 

  6. Patel, Jay, et al. "Oral health for healthy ageing." The Lancet Healthy Longevity 2.8 (2021): e521-e527. 

  7. United Nations General Assembly. (2025). Political declaration of the fourth high-level meeting of the General Assembly on the prevention and control of noncommunicable diseases and the promotion of mental health and well-being: Equity and integration—transforming lives and livelihoods through leadership and action on noncommunicable diseases and the promotion of mental health and well-being (Rev.4). Available from: https://www.who.int/publications/m/item/rev.4--political-declaration-of… [Accessed 11 March 2026]. 

  8. Centers for Disease Control and Prevention. (2024). Oral health tips for adults. Available from: https://www.cdc.gov/oral-health/prevention/oral-health-tips-for-adults… [Accessed 7 January 2026] 

  9. Health, T. L. C. A. (2019). Oral health: oft overlooked. The Lancet. Child & adolescent health, 3(10), 663. 

  10. Peres, M. A., Macpherson, L. M., Weyant, R. J., Daly, B., Venturelli, R., Mathur, M. R., ... & Watt, R. G. (2019). Oral diseases: a global public health challenge. The Lancet, 394(10194), 249-260. 

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